ADRESSAT UNBEKANNT

artikelbild HUNDERT IN EINS 5

Jetzt war ich ja schon etwas faul mit dem Bloggen über Bücher. Das muss ich schleunigst ändern.

Mein 5. Buch meiner HUNDERT IN EINS heißt „Adressat unbekannt“ von Kressmann Taylor – vielleicht hat das schon jemand von euch gelesen?

Ich finde es absolut empfehlenswert, kurz, knackig und trotzdem bewegend. Es handelt sich um einen Briefwechsel zwischen zwei Juden, der eine in Amerika, der andere in Deutschland während der Monat, wo Hitler damals zur Macht kam.

Man kann sich reinfühlen und das alles ohne große Anstrengung. Ich finde das Buch ist auch ideal als Handtaschenbegleiter bzw. als Buch für den Weg zur Arbeit – da es kurze Briefe sind und der Briefwechsel bzw. das Lesen dessen sehr schnell von statten geht.

Was mich an diesem Buch besonders faszinierte ist, dass ich das Ende so nicht kommen sah.

Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem Buch:

„Lieber Max,

wie Du sehen kannst, schreibe ich auf dem Geschäftspapier meiner Bank. Dies ist notwendig, denn ich habe eine Bitte an Dich und möchte dabei die neue Zensur umgehen, die äußerst streng ist. Wir müssen für den Augenblick aufhören, uns zu schreiben. Selbst wenn ich kein offizielles Amt bekleidete, wäre es für mich unmöglich, mit einem Juden zu korrespondieren. Sollte ein Kontakt unumgänglich sein, dann lege den Brief den Bankauszügen bei. Schreibe mir nicht mehr an meine Privatadresse.

Was die strikten Maßnahmen betrifft, die Dich so mit Sorge erfüllen: Ich mocht sie zu Beginn auch nicht, doch ist mir inzwischen ihre schmerzliche Notwendigkeit klar geworden. Die jüdische Rasse ist ein Schandfleck für jede Nation, die Unterschlupf gewährt. Ich habe niemals den einzelnen Juden gehaßt – ich habe Dich immer als einen Freund geschätzt, aber Du weißt, daß ich mit aller Aufrichtigkeit spreche, wenn ich sage, daß ich Dir nicht wegen, sondern trotz Deiner Rasse gewogen war.“

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