DER JUNGE, DER IN DEN BÜCHERN VERSCHWAND

Mein sechstes Buch in der Fastenzeit heißt „Der Junge, der in den Büchern verschwand“ und beinhaltet einige Geschichten für und über Kinder, aber auch Erwachsene. Es ist wirklich spannend zu erfahren, wie einem innerhalb weniger Seiten eine gesamte Geschichte, mit vielen Details und voller Emotion erzählt werden kann. Schön geschrieben.

Das ist definitiv ein Buch, dass ich meinen Kindern vorlesen werde – zum Einschlafen am Abend, während des Kuschelns auf der Couch oder auch nach einem anstrengenden Schultag zur Entspannung.

Uff – ich glaub ja kaum, dass ich es bis morgen 23.59 Uhr schaffe meine gesamten zehn Bücher auch gelesen zu haben – aber ja, somit hab ich dann in der nächsten Woche – vor meinem neuen Projekt Zeit, sie zu lesen 😀

Hier zwei Passagen aus Philippe Claudel’s Buch.

Eines schönen Morgen, oder vielmehr eins hässlichen Morgens, ja eines rundum hässlichen Morgens, wachten die Menschen auf und stellten fest, dass etas Merkwürdiges geschehen war. Kein Lärm, kein Lachen, kein Geplapper. Nichts. Alle Kinder waren verschwunden. Und wenn ich sage alle Kinder, dann meien ich alle Kinder auf der ganzen Welt, in allen Ländern und in allen Städten, überall. Wie gründlich man auch alles absuchte un obwohl man Feuerwehr, Polizei und Armee mobilisierte – die Kinder blieben verschwunden. Nur ein verknitterter Zettel wurde gefunden, auf dem mit dünner krakeliger Handschrift sehr fehlerhaft Folgendes stand: „Imer schimft ier mit uns! Nie hört ier auf uns, wir dürfen nie Lachen wen wir wolen, wir müssen imer Frü ins Bett, unt im Bett dürfen wir nie Schokolade Essen, imer müsen wir die Zehne Putsen: Wir haben Genuk von den Grosen, wir haun ap! Schüss.“ Unterschrift: „die Kinder“.

Am meisten aber, noch viel mehr als sein Gewicht, noch viel mehr als sein riesenhafter Umfang, ängstige Marcel die Tatsache, dass er nur noch wenige weiße Seiten besaß, o ja, nur noch ein paar unbenutzte, unbeschrieben Seiten. „Weißt du, was mit Heften passiert, wenn alle Seiten voll sind?“, hatte Marcel eines Abends, bevor er im Schulranzen einschlief, seinen Freund Jojo gefragt. Jojo räusperte sich. „Na ja, stimmt schon, du hast ein Recht, es zu erfahren… Also die Hefte, wenn sie keine Seiten mehr frei haben, dann.. dann verschwinden sie.“ „Was heißt das, sie verschwinden?“ „Sie verschwindene ben. Man sieht sie nicht mehr. Und es kommt ein Neuer, ein Junger Frischer, so wie du im letzten Jahr.“ „Aber wohin gehen sie denn?“, fragte Marcel beunruhigt. „Keine Ahnung.“

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Eine Antwort zu “DER JUNGE, DER IN DEN BÜCHERN VERSCHWAND

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