MEINE GEDANKEN MEIN MEDIUM MEINE WAHL

Habt ihr euch schon einmal darüber Gedanken gemacht auf welche Art und Weise ihr mit euren Mitmenschen kommuniziert? Besser gesagt auf welche Art und Weise ihr eure Gedanken, Wünsche, Erlebnisse gegenüber euren Freunden, Bekannten oder der Familie äußert?

Passiert das bei allen Menschen in euren Umfeld auf die gleiche Art und Weise – durch das gleiche Medium? Oder habt ihr hier unterschiedliche Arten, die ihr bewusst oder unbewusst anwendet?

Gibt es Informationen, die ihr lieber in einem persönlichen Gespräch übermitteln möchtet – andere lieber am Telefon, oder per E-Mail? Oder ist euch das Medium an sich egal und ihr seid einfach froh, dass ihr die Information an die betreffende Person gebracht habt?

Nehmt ihr Rücksicht auf die Person, der ihr etwas erzählt, e-mailt, smst oder per Telefon die jeweilige Botschaft verkündet? Rücksicht im Sinne, dass jeder Erwartungen an Menschen hat und auch daran, wie jemand etwas erzählt, oder eben nicht?

Manche Personen finden es in Ordnung, wenn man es ihnen einfach nur erzählt – oder auch nicht erzählt – frei nach dem Motto: entscheide du! Andere erwarten bei gewissen Neuigkeiten ein persönliches Gespräch, auch wenn die Person dann möglicherweise die Letzte in der Informationskette ist, ist es ihr lieber, dass sie es persönlich erfährt, als via Telefon oder Internet. Wieder andere fühlen sich gekränkt, wenn sie nicht zu den ersten Gesprächspartner in dieser „Kette“ zählen und hätten gerne das Telefongespräch – einfach um informiert zu werden. Also ein Meer voller Erwartungen.

In meinen Augen ist das eine sehr egoistische Betrachtungsweise, wenn man von einer Person erwartet wie und ob sie einem gewisse Neuigkeiten, Erlebnisse oder einfach nur Informationen mitteilt. Anspruch auf die Art und Weise – das Medium und/oder den Zeitpunkt – zu erheben, wie mir etwas erzählt oder eben nicht erzählt wird, finde ich unangebracht.

Wie komme ich dazu mich in das Innenleben eines anderen derart einzumischen? Wieso darf ich erwarten, dass mir eine Person in meinem bevorzugten Medium (persönliches Gespräch, Telefonat, SMS,..) ihre Erfahrungen, Geheimnisse und Neuigkeiten mitteilt?

Ich finde diese Entscheidung soll nur beim Absender liegen – nicht jedoch beim Empfänger. Wenn sich der Empfänger unwohl bei der Wahl des Medium fühlt, dann ist das sicher sein Recht, aber es dem Gegenüber vorzuhalten bzw. Anspruch darauf zu erheben, dass er sich doch bitte an meine Bedürfnisse anpassen soll, ist ein Wahnsinn.

Wenn ich mich dazu entscheide, dass ich Informationen austausche, habe ich das Recht selbst zu bestimmen, in welchem Ausmaß, wie und wo ich das mache.  Hier kann es keinen Kompromiss geben – denn meine Gedanken gehören nur mir – somit gehört auch die Entscheidung welches Medium ich verwenden bzw. ob und wann ich es jemanden erzähle bei mir.

Wohin ich meine Gedanken, Erfahrungen oder aber auch simple Informationen entsende und wie ich das mache ist im Grund nur meine Angelegenheit.

Ich habe sehr oft das Gefühl, als hätte mein Gegenüber Anspruch darauf und fühle mich dann schlecht dabei. Aber wie komm‘ ich dazu?

Ich habe in den letzten Monaten gelernt mich nicht dafür verantwortlich zu fühlen wie es anderen damit geht, wenn ich für mich Entscheidungen treffe. Entscheidungen werden von mir bewusst getroffen, wenn sie jemanden verletzen oder sich jemand ausgegrenzt fühlt dann war das manchmal vielleicht meine Absicht. Auf jeden Fall ist es mein Recht meine Gedanken so zu verbreiten wie ich mich damit wohlfühle.

Ich bin ein Mensch der sich gerne zurückzieht und seine Gedanken aufschreibt – manchmal wirr, manchmal strutkuriert (wie ihr sicher schon bemerkt habt). Es ist mir wichtig, dass ich mir Zeit für meine Gedanken nehmen kann. Genauso ist es mir wichtig, dass ich mir auch Zeit für mein jeweiliges Gegenüber nehme – daher bevorzuge ich die persönlichen Gespräche – schöne „Ratsch-Abende“ sozusagen.

Natürlich geht das nicht immer – daher ist mein bevorzugtes Medium die E-Mail bzw. der Brief. Bei beiden nehme ich mir Zeit für den Empfänger meiner Gedanken und im gleichen Moment gebe ich meinem Gegenüber ebenfalls Zeit um mir zu antworten. Jeder teilt sich seine Zeit für den anderen selbst ein.

Ich mag das Telefonat nicht.. Gibt es da noch andere die nicht gerne telefonieren? Ich kenne fast niemanden..

Früher in meiner Schul- und Studienzeit habe ich sehr viel telefoniert und auch lange – das war für mich wie ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Heute empfinde ich es anders. Es ist für mich eine sehr anstrengende Tätigkeit, nach der Arbeit noch zu telefonieren.

Ich habe das Bedürfnis während eines Telefonats mit Freunden freundlich und auch höflich sein zu müssen – das klappt nach einem Arbeitstag meistens nicht. Somit muss ich mich verstellen – so mein Eindruck. Weiters nervt es mich am Telefon immer vermehrt das aktuell Negative im Leben durchzukauen und ich lege meistens mit einem eher bedrückten Gefühl wieder auf. Wenn ich genau dieselbe Person persönlich getroffen hätte – gleicher Abend – gleiche Gesprächsdauer – dann würde es mir sehr viel besser gehen – weil man sich austauscht – das Gefühl habe ich am Telefon nicht.

Wie ihr wisst möchte ich mich nicht schlecht fühlen – somit ist das Telefon für mich fast nicht vorhanden. An den Wochenenden habe ich es oft auch einfach gar nicht eingeschalten – unter der Woche meistens lautlos.

Ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht gibt mir persönlich mehr – mehr Energie – mehr Freude – mehr Zufriedenheit.

Natürlich ist das mit der Familie ganz anders – man kann kurz angebunden sein und wieder auflegen nach einem kurzen Informationsaustausch – oder einfach ganz normal und kraftlos miteinander reden. Niemand is gekränkt, es ist einfach wie zuhause 😉 – daher ist das Telefonieren mit der Familie für mich keine solche Belastung – da kann ich einfach ich sein.

Wenn sich nun zwei Personen mitteilen wollen – wobei eine Person das Telefon bevorzugt und die andere das E-Mail – was macht man dann?

In solch einer Situation gibt es eigentlich keinen Kompromiss. Es gibt immer eine Person, die genau das nicht will, es aber dann der anderen Person zuliebe doch tut. Aber warum soll die Person das machen? Niemand soll sich doch schlecht fühlen – somit kann man keinen Ausweg finden.

Außer natürlich man akzeptiert den Zustand des Unzufriedenseins und des möglichen Nicht-gut-fühlens und macht was das jeweilige Gegenüber von einem erwartet bzw. macht das womit sich das Gegenüber wohl fühlt.

Für mich ist das nichts – denn auf Dauer zermürbt mich das. Daher habe ich damit aufgehört. Aufgehört zu telefonieren.

Vielleicht kommt wieder einmal eine Zeit wo mich der Alltag nicht so schlaucht und ich Lust habe zu telefonieren – aber im Moment ist das kein Medium das ich verwende, wenn ich es mir aussuchen kann.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass es nicht meine Aufgabe ist, andere glücklich zu machen – es gilt mich selbst glücklich zu machen. Ich will mich in meiner Haut wohl fühlen – somit entscheide ich über meine Gedanken und mein Medium.

Wenn ich mit meinen Freunden und Bekannten dadurch möglicherweise weniger Kontakt habe, glaube ich jedoch dass die persönlichen Treffen aufgrund dessen viel intensiver sind. Man ist sich näher und man lernt die Zeit mit dem anderen viel mehr zu schätzen.

Man ist nicht automatisch ein besserer Freund, weil man ständig in Kontakt steht bzw. sich alles erzählt – finde ich.

Somit gilt für mich: Meine Gedanken – Mein Medium – Meine Wahl

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