DURCH EINEN SPIEGEL, IN EINEM DUNKLEN WORT

Nun habe ich bereits das zweite Buch auf meiner Liste ausgelesen.

Lesen ist wirklich was Schönes.

Ich hoffe sehr, dass ich nach diesen zehn Büchern nicht damit aufhöre 🙂 !

Ich liebe die Bücher von Jostein Gaarder. Das Kartengeheimnis, Sofies Welt, Maya,.. und natürlich auch „Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort“ – das zweite Buch der „10 Bücher„.

Dieses Buch habe ich schon Jahre nicht mehr gelesen. Zum ersten Mal 2004, als ich ein Praktikum in einer Bücherei gemacht habe. Es ist einfach wunderbar, wenn man die Welt wieder aus den Augen von Kindern sehen kann. Jostein Gaarder schafft das. Man liest das Buch aus der Sicht des Kindes, obwohl es keine Ich-Erzählung ist.

Cecilie ist krank. Es ist Weihnachten und sie liegt in ihrem Zimmer im Bett. Ihre Familie feiert eine Etage tiefer im Ess- und Wohnbereich. Sie ist nach einem längeren Krankenhausaufenthalt endlich zuhause. Eine Besserung scheint jedoch nicht einzutreten. Sie schläft und denkt sehr viel nach. In ihrem Kopf ist es wie auf einem Jahrmarkt, sagt sie, immer was los an Gedanken. Sie möchte alle ihre Gedanken aufschreiben und hat dafür ein kleines Notizbüchlein.

Als Weihnachten vorbei ist schläft sie ein und wir je aus dem Schlaf gerissen, als Ariel (ein Engel, ohne Haare und mit bloßen Füßen) auf ihrer Fensterbank sitzt und sie fragt ob sie denn gut geschlafen habe.

Sie sprechen über alles mögliche, wie Jesu Geburt (da war er auch dabei 😉 ) oder über die Tatsache, dass es Erwachsene eigentlich nur gibt um weitere Kinder auf die Welt zu bringen, damit sie auch selbst wieder Kinder werden können, den Kind sein bedeutet, dass die Welt neu geboren wird, mit jedem weiteren Kind. Erwachsene haben sich einfach schon zu sehr daran gewöhnt, wie alles in ihren Augen „funktioniert“ – sie wundern sich nicht, es fasziniert sie nichts, sie hinterfragen nicht. Somit gibt es die Kinder, die die Welt immer aufs neue erfahren können.

Ariel erzählt von allen himmlischen Sachen und Cecilie von allen irdischen, denn Ariel kann vieles nicht begreifen, Dinge wie Schmerz, die Geburt oder jegliche Art von Emotionen. Cecilie versucht ihm alles so gut wie möglich zu erklären und umgekehrt. Beide scheinen Lehrer und Schüler im gleichen Ausmaß zu sein.

Cecilie schreibt alles in ihr Notizbüchlein. Hier ein Auszug: „Wir weinen, wenn etwas traurig ist. Und wir vergießen auch gern über etwas Schönes eine Träne. Wenn etwas witzig oder hässlich ist, lachen wir. Vielleicht werden wir traurig, wenn etwas schön ist, weil wir wissen, dass es nicht von Dauer ist. Und wir lachen über etwas Hässliches, weil wir wissen, dass es sich nur aufspielt. Clowns sind witzig, weil sie so schrecklich hässlich sind. Wenn sie vor dem Schminkspiegel ihre Clownsmasken ablegen, werden sie sehr schön. Deshalb sind Clowns so traurig. und unglücklich, wenn sie in ihre Zirkuswagen gehen und die Türe hinter sich ins Schloss knallen… In jeder Sekunde werden funkelnagelneue Kinder aus dem Jackenärmel der Natur geschüttelt. Hokuspokus! In jeder Sekunden verschwinden auch viele Menschen. Gott schickt seine Menschen aus, er schickt Cecilie zum Tor hinaus… Nicht wir kommen auf die Welt, die Welt kommt zu uns. Geboren zu werden bedeutet, dass uns eine ganze Welt geschenkt wird. Manchmal breitet Gott resigniert die Arme aus und sagt sich: ‚Ich weiß ja, dass alles Mögliche anders sein könnte, aber getan ist getan, und ich bin schließlich nicht allmächtig.'“

Als Leser bekommt man den Eindruck, als würde Cecilie nach diesem Gespräch sterben und der Engel Ariel kommt sie besuchen um sie abzuholen. Dieses Gefühl bekommt man schon nach den ersten 30 Seiten. Es ist eine Mischung aus Traurigkeit und Vollkommenheit, das einem begleitet. Man wünscht sich für das Mädchen, dass es noch jede Menge erleben darf und die Welt entdecken kann, bevor es gehen „muss“. Auf der anderen Seite ist man sich sicher, dass jedes Ende auch ein Anfang ist und man von hier einfach weitergeht zu einem anderen Ort, dass man nur seinen Platz wechselt, denn sterben tut ja niemand.

Man ist also hin und her gerissen zwischen den Gefühlen und weiß nicht so recht was man sich für Cecilie wünschen soll oder für einen selbst. Wie will man, dass das Buch endet?

Der Dialog zwischen den zwei Kindern – Cecilie und Ariel (schließlich sind Engel auch nur Kinder 🙂 !) – ist einfach schön zu lesen. Es lasst einem Platz für eigene Gedanken, es überhäuft nicht, es ist leichtfüssig und wunderbar geschrieben.

Das Thema „Tod“ für jedermann schön erzählt. Auch für Menschen, die im Moment noch Angst davor haben 🙂 .

Jostein Gaarder

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